Das Ego-Projekt "Kind"

Ihr kennt vielleicht den Werbespot: Zwei Mütter unterhalten sich auf einem Spielplatz. Die eine prahlt, welch ein Wunderkind ihr Amadeus sei. Sie schicke ihn in die musikalische Früherziehung, ins kreative Tanzen und ins Kinderyoga. Aber damit sei sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Zwischendurch schwenkt die Kamera auf Klein-Amadeus, der wütend mit einem Stock auf seinen Spielzeugbagger eindrischt. Seine Mutter fährt mit der Prahlerei unbeirrt fort und erklärt der anderen Mutter, wie man sehe, habe ihr Sohn auch ein gutes Rhythmusgefühl.


An diese Werbung fühlte ich mich erinnert, als ich neulich mit Ella spazieren ging. Immer wieder musterten mich nämlich andere Mütter im Vorübergehen mit durchdringendem Blick. Mir schien, als taxierten sie, wer den grösseren und teureren Kinderwagen habe und mithin das bessere Mami sei. Übrigens verlaufen Gespräche unter Müttern (und ja, auch unter Vätern) nicht selten tatsächlich wie im Werbespot: Die stolzen Eltern versuchen sich damit zu übertrumpfen, welches ihrer Kinder zuerst krabbeln oder stehen konnte. Und wenn ihr Sprössling mit zehn Monaten bereits erste Schritte machte, platzen sie fast vor Stolz. Manchmal habe ich den Eindruck, Eltern benutzten die Erfolge ihrer Kinder, um untereinander einen Kampf um die gesellschaftliche Rangfolge auszufechten. Aus befreundeten Paaren werden nach der Geburt eines Kindes plötzlich Konkurrenten.


Das Konkurrenzdenken führt dazu, dass wir auf unsere Kinder nicht mehr um ihrer selbst willen stolz sind, sondern nur noch wegen ihrer Leistungen. Eltern setzen ihre Kinder unnötig unter Druck, Dinge zu tun, zu denen sie (noch) nicht bereit sind. Im Babyalter geht es ums möglichst frühe Stehen und Laufen, im Kleinkindalter geht es mit frühzeitiger Förderung im Lesen und Schreiben weiter. Später muss das Kind dann mindestens zwei Instrumente erlernen und fünf verschiedenen Sportarten nachgehen, sodass sein Potenzial ausgeschöpft werden kann. Das ist schade! Denn mit diesem Verhalten vermitteln Eltern ihrem Kind, dass ihre Liebe nicht bedingungslos, sondern erfolgsabhängig ist. Sie nehmen ihm das Gefühl von Geborgenheit und Wärme, das für die Entfaltung seiner Persönlichkeit so wichtig ist.


Und Hand aufs Herz: Spielt es denn tatsächlich eine Rolle, ob das Baby nach sechs oder erst nach zehn Monaten mit dem Krabbeln anfängt? Die Entwicklung eines Kindes ist kein linearer Prozess. Beginnt das Baby vor dem sechsten Monat zu krabbeln, wird aus ihm nicht zwingend ein Olympiasieger. Ist es ein "Spätzünder", bedeutet dies ebenso wenig, dass seine Zukunft für immer verloren ist. Oder habt ihr schon mal gehört, dass jemand beim Vorstellungsgespräch für eine Stelle gefragt wurde, wann er zu Krabbeln angefangen habe?!


Ich habe kürzlich folgende Aussage eines deutschen Kinderarztes, Wissenschaftlers und Buchautors gelesen: „Eine Generation, die zunehmend in den besten Lebensjahren mit Burnout zu kämpfen hat, entwirft für ihre eigenen Kinder einen Lebensweg mit noch mehr Tempo, noch mehr Leistung, noch mehr Förderung. Sie funktioniert Kindergärten zu Schulen um, weil sie glaubt, Kinder, die früh Mathe lernen, seien schneller am Ziel. Aber Moment einmal - an welchem Ziel?“. Auch der Bericht „Das optimierte Kind“ vom SRF trifft den Nagel auf den Kopf. Fördern bis zur Überforderung, so sieht die Realität aus. Michael Krogerus ist Redaktor bei „Das Magazin“ und Vater zweier Kinder. Er sagt: Die Frage aller Heranwachsenden, nämlich „Wer bin ich?“, wurde abgelöst durch die Frage „Bin ich gut genug?“. Das ist eine traurige Frage, denn es schwingt immer mit, das man noch nicht gut genug ist und stetig an sich arbeiten muss. Dabei geht die Freude verloren, etwas zu tun, unabhängig davon, ob man darin gut ist.


Bereits im Kindergarten wird jedes Kind anhand eines Lernberichts mit 72 Fragen beurteilt. Es wird z.B. bewertet, ob das Kind Aufgaben termingerecht und vollständig erledigt. Im Ernst? Soll die Lehrerin beurteilen, ob das Kind den Scherenschnitt termingerecht fertiggestellt und zu ihr gebracht hat? Das ist wirklich absurd. Und dies zeigt uns auf, unter welchem Leistungsdruck unsere Kinder sowieso aufwachsen werden. Ist es da wirklich notwendig, dass auch die eigenen Eltern vor allem dann stolz sind, wenn das Kind etwas „geleistet“ oder „erreicht“ hat?



Wir sollten uns darauf besinnen, was für unsere Kinder wirklich wichtig ist: dass wir stolz auf sie sind, weil sie unsere Kinder sind, und dass wir sie bedingungslos lieben. Kinder sind kein Ego-Projekt. Wir sollten sie nicht dazu missbrauchen, unseren Ehrgeiz zu befriedigen – dafür müssen wir schon selbst sorgen.


Deshalb sollten wir Eltern untereinander auch keinen Konkurrenzkampf austragen. Unterstützen wir einander lieber bei der schwierigen Aufgabe, die wir haben. Damit helfen wir unseren Kindern am meisten.


Jeannette

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